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Zivilisationskrankheiten auf dem Vormarsch - Was hat unsere Ernährung damit zu tun?

Eine gesunde Ernährung aus Sicht der Traditionellen Chinesischen Medizin und der aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse


Zivilisationskrankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Übergewicht/Adipositas, Autoimmunerkrankungen und psychische Störungen wie Depressionen und Angstzustände nehmen rasant zu und belasten unser Gesundheitssystem. Dieses kommt zunehmend an seine Belastungsgrenze. Kurz, zu viele Menschen sind chronisch krank oder fühlen sich nicht ganz gesund und fit.


Zivilisationskrankheiten haben häufig einen zentralen Faktor als Ausgangspunkt: Falsche Ernährung und / oder Übergewicht. Eine falsche Ernährung erhöht das Risiko für Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, NASH (Nicht alkoholische Fettleber), metabolisches Syndrom, Schlaf-Apnoe, Hormonstörungen, geschwächtes Immunsystem, Entzündungen im Körper, uvm. Ein wichtiger Ansatzpunkt im Kampf gegen diese Erkrankungen ist deshalb ein Blick auf eine gesunde Ernährung. Studien zeigen, dass eine Ernährungsumstellung rasche Verbesserungen bei Themen wie Bluthochdruck, Cholesterin, Harnsäure, Entzündungen, hormonelle Disbalancen, Dyslipidämie etc. bringt.


Was aber bedeutet, sich „richtig“ zu ernähren? Zu dieser Frage gibt es eine unerschöpfliche Menge an Informationen im Internet, von Vegan über Rohkost, Intervallfasten, Paleo und wie sie alle heissen, gibt es zahlreiche, teils sehr extreme Vorstellungen über gesunde Ernährung. Einige können sogar als gesundheitsgefährdend eingestuft werden. Andere sind zwar für gewisse Menschen gesund und sinnvoll, für andere jedoch suboptimal.


Aus Sicht der Chinesischen Medizin kann gesagt werden, dass es DIE richtige Ernährung nicht gibt, weil jeder Mensch und jeder Körper anders ist. Es gibt die richtige Ernährung für eine einzelne Person, diese muss aber nicht zwingend die richtige Ernährung für jemand anderes sein. In einer ganzheitlichen Therapie wird die Ernährung individuell auf die jeweiligen Bedürfnisse und die aktuelle Gesundheitssituation des Kunden abgestimmt.


Nichts desto trotz, gibt es einige Punkte, die in Bezug auf eine gesunde Ernährung generalisiert werden können. Eine gesunde Ernährung, welche auch die Bekämpfung der meisten Zivilisationskrankheiten unterstützt hat drei Schwerpunkte.


• Das Milz-Qi (Mitte) stärken

• Feuchtigkeit (falls vorhanden) ausleiten und die Bildung neuer Feuchtigkeit verhindern.

• Den Energiefluss harmonisieren und Stagnation auflösen


Mitte stärken


Bei fast allen Formen von ernährungsbedingten Zivilisationskrankheiten ist die Stärkung des Milz-Qi, der Mitte das Basis-Thema. Die Mitte und damit das Verdauungssystem regeneriert sich besonders gut, durch warme, kurz gekochte und gedünstete Speisen in Form von Suppen, Gemüseeintöpfen, Kompotten und gekochten Getreidegerichten.


Diese Gerichte sind einfach verstoffwechselbar und unterstützen so die Verdauungsorgane. Viele sind rasch zubereitet und/oder können auch zum mitnehmen gut vorbereitet werden. Sie schaffen ein angenehmes Gefühl im Bauch, sorgen für eine geregelte Verdauung und geben mehr Energie für den Alltag, die vorher für das Verdauen unbekömmlicher Zutaten „verschwendet“ wurde. Befindlichkeitsstörungen wie Blähungen, Druckgefühl im Bauch, „Aufstossen“ oder Sodbrennen sollten bei dieser Ernährungsweise der Vergangenheit angehören. Ideal sind drei satt machende Mahlzeiten pro Tag – ohne Zwischenmahlzeiten. Je nach Situation kann dies aber abweichend sein.


Feuchtigkeit ausleiten und die Bildung neuer Feuchtigkeit verhindern


Der zweite Schwerpunkt zur Regulierung und Optimierung der Verdauungsfunktionen und der damit zusammenhängenden Gesundheit ist die Ausleitung von Feuchtigkeit, resp. die Verhinderung der Entstehung von Feuchtigkeit im Körper.


Zu den feuchtigkeitserzeugenden Lebensmitteln gehören u.a. Milchprodukte, Süßigkeiten, Zucker, Rohkost oder auch Brot. Sich anzufangen diese Lebensmittel strikt zu verbieten ist psychologisch gesehen jedoch sehr anspruchsvoll und oftmals auch nicht von Erfolg gekrönt. Eine Umstellung zu einem gesünderen Lebensstil kann nicht von heute auf morgen stattfinden, sondern Schritt für Schritt. So können Sie bspw. Eintöpfe oder Suppen mit viel Gemüse und dazu eine Scheibe Brot essen, das ist in der Regel völlig unproblematisch. Ein gekochter Porridge kann mit Joghurt oder Quark ergänz werden, Zimt und Ingwer bringen Bewegung rein. Diese Kombination nährt das Yin und sättigt gut durch den höheren Eiweissgehalt. Knackige Nüsse im morgentlichen Getreidebrei befriedigen das Beiss Bedürfnis und machen es leichter auf Brot zu verzichten.


Wir Menschen wollen geniessen und nicht verzichten. Es gibt viele wohlschmeckende Alternativen zu Weizenprodukten, wir müssen sie nur kennenlernen. Alternativen sind bspw. Reis, Hirse, Gerste, Buchweizen oder auch Polenta. Diese schmecken und helfen uns gleichzeitig unsere Verdauungskraft zu stärken und bereits vorhandene Feuchtigkeit (Schlacken) umzuwandeln und auszuleiten. In Kombination mit Hülsenfrüchten, Gewürzen und Kräutern, Obst und Gemüse wird eine gesunde Ernährung so zum Genuss.


Die beiden wichtigsten Grundsätze für eine typgerechte Ernährung lassen sich in zwei Sätzen fassen: Menschen, die zum Mangel-Typ gehören, sollten viele warme, gekochte, nahrhafte Speisen zu sich nehmen. Menschen vom Fülle-Typ sollten leichte, bevorzugt vegetarische Mahlzeiten mit viel Gemüse essen.


Den Energiefluss harmonisieren und Stagnation auflösen


Im dritten Schritt geht es darum, Leber und Gallenblase zu entstauen, um den Energiefluss zu harmonisieren. Besonders gut geeignet sind dafür mässig scharfe, aromatische Zutaten wie Basilikum, Brunnenkresse, Kurkuma, Dill, Fenchel, Ingwer, Kardamom, Kreuzkümmel, Melisse, Meerrettich, Minze oder Orangenschale. Gut gegen Stauungen wirken auch Adzukibohnen, Rettich, Radieschen und alle Kohlarten. Blüten (Jasmin-, Orangen-, Passions- und Rosenblüten) als Tee wirken blutreinigend und harmonisierend.


Um den natürlichen Fluss von Blut und Säften anzuregen und Stagnation im Körper aufzulösen, sind entstauende Tätigkeiten wichtig. Ideal ist Sport mit zügiger Bewegung wie Joggen, Nordic Walking, Inlineskaten oder Schwimmen. Aber auch Singen und Tanzen, lange Spaziergänge sowie Yoga oder Qigong bringen das Qi in Bewegung.


Auswahl wichtiger Nährstoffe für unseren Stoffwechsel – Was die Wissenschaft sagt


Nachfolgend möchte ich auf ein paar Nährstoffe genauer eingehen, die für eine funktionierende Gesundheit wichtig sind.


Glutamin ist eine Aminosäure, die für die Zellen der Darmschleimhaut von grösster Bedeutung ist. Zu den Nahrungsmitteln, die Glutamin enthalten gehören Hühnerfleisch, Rindfleisch, Randen, Spinat, Petersilie. L-Glutamin wird auch als Nahrungsergänzungsmittel eingesetzt.


Hochwertige Öle mit Omega 3 Fettsäuren, bspw. Hanföl, Leinöl oder auch Chiasamenöl unterstützen und regulieren unseren Stoffwechsel. Weitere Lieferanten von Omega 3 sind fettreiche Fische wie Lachs oder Makrele. Aufgrund der Schadstoffbelastung und Überfischung der Meere ist empfehlenswert, auf heimische Fische zurückzugreifen. Forellen, Karpfen, Zander und Wels enthalten ebenfalls Omega 3. Sonnenblumen- und Kürbiskerne, Fleisch und Eier aus Bio-Produktion sind ebenfalls gute Quellen für Omega 3 Fettsäuren. Da Fette auch Umweltgifte speichern, gilt die Empfehlung, wenn immer möglich Bio-Produkte zu wählen.


Tyrosin, ebenfalls eine Aminosäure, ist ein wichtiger Baustein in der Produktion von Hormonen. Nicht nur für die Schilddrüsenhormone, sondern auch für die Hormone der Nebennieren: Adrenalin, Noradrenalin und Dopamin. Der Tyrosinbedarf ist deshalb bei Stress erhöht und sollte unbedingt über die Nahrung gut bedient werden. Tyrosin ist bspw. in Mandeln, Avocado, Kürbiskernen und Sesamsamen enthalten.


Zink unterstützt die Darmschleimhaut, lindert Entzündungen und ist ebenfalls an der Produktion der Schilddrüsenhormone beteiligt. Gute Zinkquellen sind Kürbiskerne, Leber, Haferflocken, Mais (Polenta), Rind- und Hühnerfleisch.


Sind Kohlenhydrate gesund für uns?


Das Thema Kohlenhydrate spaltet seit Jahren die Gemüter, auch bei Experten. Fakt ist, dass es keine ernährungswissenschaftlich empfohlene Mindestzufuhr gibt. Warum ist das so? Weil diese fast überall enthalten sind und wir sowieso ausreichend davon aufnehmen. Brot, Nudeln, Reis, Kartoffeln, Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte – all diese Lebensmittel liefern Kohlenhydrate, eine wichtige Energiequelle für unseren Körper.


Durch unseren modernen Lebensstil nehmen wir aber seit Jahren zusätzliche Kohlenhydrate zu uns, auf die unser Körper gar nicht vorbereitet ist. Dazu gehören Unmengen von Zucker in Form von Limonaden, Süssigkeiten, Schokolade, zugesetzter Zucker in Ketchup, Würsten, und vielen weiteren Fertiggerichten. Das überfordert unsere Bauchspeicheldrüse und unseren Stoffwechsel.


Studien weisen darauf hin, dass der übermässige Konsum von Zucker Entzündungsprozesse im Körper fördert und zu einer gestörten Funktion der T- und B-Zellen des Immunsystems führt. Ein stabiler Blutzucker hilft diesem entgegenzuwirken.


Was aber stabilisiert den Blutzuckerspiegel?


Je langsamer Kohlenhydrate von unserem Körper aufgenommen werden, desto besser. Dies ermöglichen komplexe Kohlenhydrate. Im Gegensatz zu einfachen Kohlenhydraten wie weisser Zucker, Honig, etc. müssen die komplexen Kohlenhydratmoleküle vom Körper erst in Zucker aufgespalten werden. Dadurch gelangen die einzelnen Zuckermoleküle nach und nach in den Stoffwechsel und nicht wie bspw. bei Süssigkeiten oder Limonaden sofort alle miteinander, was zu einem rasanten Anstieg mit anschliessend wieder rasantem Abfall des Blutzuckerspiegels führt. Die Aufspaltung der komplexen Kohlenhydrate im Körper bewirkt einen stabilen Blutzuckerspiegel und so eine konstant bleibende Energie über einen längeren Zeitraum.


Nahrungsmittel, die komplexe Kohlenhydrate beinhalten sind bspw. Hirse, Amarant, Buchweizen, Bulgur, Dinkel, Mais, Hafer, Gerste, Vollkorn Reis, Quinoa, Roggen, aber auch Vollkornprodukte, Gemüse oder Früchte. Da aber auch komplexe Kohlenhydrate vom Körper letztendlich in Zucker aufgespalten werden, den er ja auch für die Energieversorgung benötigt, bewirkt ein Überkonsum dieser Nahrungsmittel ebenfalls einen zu hohen Zuckerspiegel im Körper, was zu gesundheitlichen Problemen und allenfalls zu einer Gewichtszunahme führen kann.


Stress – eine Belastung für unseren Körper


Ein Zusammenhang zwischen Stress, Psyche sowie Stoffwechselproblemen und dadurch auch einen Einfluss auf unsere Zivilisationskrankheiten wird schon lange vermutet. Bei entsprechender Veranlagung können Stressfaktoren wie Todesfall, berufliche Belastung, Ehekonflikte, aber auch positive Ereignisse, wie bevorstehende Hochzeiten, Weihnachten, etc. unseren Körper belasten. Auch starke Entzugssymptome bspw. nach dem Rauchen oder extreme Diäten oder Fasten sind Stress für den Körper. Stress entsteht, wenn ein Missverhältnis entsteht zwischen Anforderung und Bewältigungsmöglichkeit. Stress entsteht, wenn wir «nein» denken und JA sagen. Ohne Stressreduktion ist Heilung schwer möglich, da die Stresshormone u.a. den Blutzuckerspiegel permanent erhöhen und so unseren Körper schädigen. Die Schilddrüse und Nebennieren sind durch chronischen Stress ebenfalls negativ beeinflusst und können den Stoffwechsel beeinträchtigen.


Ein neues Paradigma in der Gesundheitsversorgung


Der rasante Anstieg von Zivilisationserkrankungen führt dazu, dass wir unseren Lebensstil und allem voran unsere Ernährung kritisch hinterfragen und anpassen müssen. Eine individuell passende Ernährung ist nicht mehr nur eine Option, sondern eine Notwendigkeit. Dabei bieten die alternativen Heilmethoden mit ihrem ganzheitlichen, auf das Individuum abgestimmten Ansatz zusammen mit den neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen eine optimale Unterstützung.


Für weitere Informationen und eine persönliche Beratung stehe ich Dir gerne zur Verfügung!


Quelle: Yin / Yang TCM Fachmagazin - Beitrag Diätetik, Dr. Claudia Nichterl

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